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Verstanden? |
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Plakat: altes Medium. Deutsche Bank: alter Trick. |
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Naiv ist, wer nachdem er Instruktionen gegeben hat, nur fragt: „Verstanden?“ und sich mit allseitigem Nicken zufrieden gibt. Denn möglicherweise traut sich jemand nicht Nein zu sagen. Oder jemand meint, verstanden zu haben. Und kommt nicht auf die Idee, dass er sich damit irrt. Auch das Wiederholenlassen der Instruktion gibt keinen Aufschluss über das Verstehen oder Nichtverstehen. Man denke an einen Zehnjährigen, der Worte aus dem Bereich der Sexualität benutzt, ohne sie zu verstehen. Ich habe hier zwei Beispiele, wo der Wunsch zu verstehen und die Naivität eine betrachtenswerte Partnerschaft eingehen. In dem einen Fall handelt es sich um einen Werbetrick, also eine Täuschung bzw. einen Täuschungsversuch, im zweiten Fall um eine Selbsttäuschung.
Die Werber der Deutschen Bank machen sich das Missverständnis ums Verstehen zunutze, um etwas zu versprechen (nicht im juristischen Sinn), was nicht zu halten ist. Sie legen der Kundin in den Mund, was die Bank lieber nicht explizit versprechen will. Nämlich, dass man umfassend verstehen wird. Scheinbegründung: „Im (..) Beratungsgespräch geben wir Ihnen transparente Anlageempfehlungen.“ Das ist Unsinn.
Transparenz kann man nur überprüfen, wenn man weiß, was durch das Transparente hindurch erkennbar werden muss. Hätte man dieses Wissen, wäre das Beratungsgespräch obsolet. Die Transparenz wird also für die meisten Kunden unüberprüfbar sein und ist eine großmäulige Werbebehauptung. Kein Wunder, dass die naive Kundin am Ende meint, verstanden zu haben. „Verstanden?“ – „Ja. Ich kaufe.“
Das alles spricht nicht dagegen, verstehen zu wollen. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass auch wenn man meint verstanden zu haben, noch einige neue Erkenntnisse nachfolgen können. Man denke nur an die Erkenntnisse in den Naturwissenschaften. Zu fast jeder anerkannten Theorie kann man nach einer Zeit sagen: „Das war wohl nicht alles.“
So versucht Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, seine Furcht vor dem Internet durch Verstehen zu mindern. Er fordert Aufklärung für alle. Denn wir „sind gewohnt, dass uns Bücher, Musikdateien, Freunde angeboten werden, die zu uns passen. Wie alles in der binären Welt geht das auch umgekehrt: dass Menschen gefunden werden, die zu einem Verdacht, zu einer Produktivitäts- oder Krankheitsdiagnose passen.“ Deshalb will er, dass die „Informatiker (..) aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden.“ Aha.
Hintenrum gedacht: Hätte es dem Monopol der römischen Kirche auf die Wissenschaft und der Verhinderung von Reformation und Aufklärung genutzt, wenn zur Zeit der ersten Auflagen der Luther-Bibel die Drucker aus ihren Nischen geholt worden wären, um den Bibel lesenden Menschen zu erklären, wie eine Druckmaschine funktioniert? Hätten die sich denken können, dass es deshalb einige hundert Jahre später die FAZ geben wird? Und den Literatur-Nobelpreis? Wohl kaum.
Genauso wenig wird die Offenlegung von Datensammeltechniken erklären, was am Ende der gegenwärtig startenden Medienrevolution sein wird und wann das sein wird. Herr Schirrmacher, wir stehen erst am Anfang von etwas unvorstellbar Großen. Und dass sich der Himmel verdunkelt, muss weder heißen, dass es ein Gewitter gibt noch dass der Herr herabsteigt.
Aber es kann ja auch sein, dass ich nur meine etwas verstanden zu haben. Gut. Dann kann ich immer noch Kunde der Deutschen Bank werden. Da werde ich wenigstens auf die gute alte Art ohne Zuhilfenahme des Internet getäuscht.
Ulrich Tekniepe 24.01.2010
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