Apple zahlt keine Steuern. Wem denn auch?

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

Kennen Sie den Begriff „Kanonenbootpolitik“? Er ist etwas alt. Über 100 Jahre. Das war eine Zeit, wo ein Unternehmen für seine Steuern noch etwas bekam: militärische Unterstützung bei kolonialen Operationen, eine genügend gesunde und gebildete Belegschaft, Betriebsfrieden und politische Ruhe. Die Zeiten haben sich inzwischen mehrmals geändert.

 

Heute können globale Unternehmen ihre Interessen nicht mehr an einen einzelnen Staat adressieren. Fast allen „einzelnen Staaten“ – Ausnahmen sind China und in gewissem Maß die USA und Russland– fehlt es an Macht. Zugleich ist das Interesse an im alten Sinne inländischen Ressourcen geschwunden. Absatzmärkte wie Arbeitsmärkte sind global. Nur wenigen nützt da noch eine deutsche Ausbildungsordnung. Der Marktschutz (Protektion), den die deutsche Solarindustrie mit Hilfe der EU (wenn diese funktionieren würde, wäre sie stärker als „einzelne Staaten“) gegen China durchzusetzen versucht, wird von China durch den Angriff auf andere Branchen ausgehebelt. Da wäre es auch keine Hilfe, ein Kanonenboot den Yangtse hinauf zu schicken. Warum also noch Steuern zahlen?

 

files/Blogbilder/Earth_seen_from_Apollo_17.jpgDie Globalität und das entsprechende Verhalten von Unternehmen wie Apple stehen für eine neue Freiheit. Kein schlechter Markenwert: Avantgarde im Prozess einer neuen industriellen Revolution, in der Schaffung einer neuen Weltordnung. Die anderen Unternehmen, die, die es sich nicht leisten können, an keinen Staat gebunden zu sein, spielen in einer anderen Liga (auch wenn eines zum Beispiel großspurig Solarworld heißt). Hart trifft es auch die Energieversorger, diese quasimonopolistischen Windschattensegler des einstigen Staatsauftrags.

 

Das sinkende Steueraufkommen der alten Industriestaaten richtet sich letztlich auch gegen die dort ansässigen Konsumenten, weil es sie das Ausbildungs-, das Gesundheits- und letztlich das Rechtssystem kostet. Mal sehen, was da noch kommt.

 

Für eine industrielle Revolution, die unweigerliche globale politische Umbrüche nach sich ziehen wird, dürfte gelten, was Mao Zedong über seine chinesische gesagt hat: „Eine Revolution ist kein Deckchensticken.“

 

NASA-Foto: Die Erde von Apollo 17 aus gesehen. Sieht irgend jemand Staatsgrenzen?

 

Link zum Thema der Überschrift. Der Satz selbst ist etwas übertrieben angesichts dessen, dass Apple sich als größten Steuerzahler der USA bezeichnet.

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