Das Auto von Morgen von Gestern

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

files/Blogbilder/20150919_IAA_2015_DE_200x283px_RGB.jpgSpiegel Online wirbt heute (19. September) auf seiner Startseite mit „Aus Blechbiegern werden Digital-Konzerne“ für einen Artikel, der dann recht bescheiden „Wie Daimler, VW und BMW den Dax zum Tech-Dax machen“ heißt und inhaltlich auch nicht mehr behauptet, dass deutsche Autohersteller zu Digitalkonzernen würden. Der Artikel ist übrigens von manager-magazin.de. Egal. Technologieunternehmen waren die genannten Autohersteller schon immer. Klar, dass eine Headline, die nicht mehr behauptet, nicht viel wert ist. Im Artikel selbst geht es dann mehr um Elektroautos als z. B. um vernetztes Fahren. Aber es ist ja IAA-Zeit.

           Meine ursprüngliche Assoziation ließ eine Erinnerung aufkommen. In den 80-er oder 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat ein Automann mal sinngemäß Folgendes gesagt: „Personentransport gehört in die Sparte Kommunikation, denn dieser dient er. Autohersteller müssen umdenken, und zwar vom Kommunikationsziel her denken und nicht von einem relativ beliebigen Vehikel her, das die gewünschte Kommunikation möglich macht.“ Da war was dran. Es passte nur nicht in die damalige Welt von Formel 1 und „Freie Fahrt für freie Bürger“, die bis heute bestimmt, wie ein Auto sein muss, wenn es verkauft werden soll. Das Elektroauto ist kein solches. Und das vernetzt fahrende - man sitzt am Steuer und das Auto lenkt selbst – auch nicht.

           Das wusste BMW schon 2002. Damals habe ich für eine eher obskure Werbeagentur eine Kampagne für BMW-Fahrassistenzsysteme gemacht. Konkret ging es um Einparkhilfen. Irgendwann sagte man mir, ich solle daran nicht weiterarbeiten. Warum nicht? Die Kampagne wird auf Eis gelegt. BMW will das Thema nicht öffentlich behandeln. Es widerspricht dem Anspruch „Freude am Fahren“. Ein Auto, das dem Fahrer etwas vom Fahren abnimmt und sei es etwas Lästiges, nimmt ihm auch Freude. Das war 2002 in der BMW-Welt bestimmt richtig.

           Wo stehen wir heute, wenn nicht einmal manager-magazin.de erkennen will, warum Apple und Google möglicherweise Konkurrenten der herkömmlichen Autohersteller werden könnten? Ein Grund: in der Apple-Welt und der Google-Welt herrschen andere Wertsysteme. Freude am Fahren und freie Fahrt für freie Bürger sind da Anachronismen. Und Elektro ist auch nicht schon deshalb die Zukunft, weil Elon Musk, der Tesla-Eigentümer, ein Silicon Valley-Mann ist.

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