Das Neue und wie es entsteht

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

und wie alt Storytelling ist

In vielen Bereichen, mit denen ich zu tun habe - vor allem Marketingkommunikation -, scheint die Generation der heute 25- bis 40-Jährigen das, womit sie konfrontiert ist und was sie tut, radikal als „das Neue“ zu begreifen. Neu in Abgrenzung zu was, frage ich mich. (Falsche Frage.)

 

Vor einigen Tagen war auf arte eine Dokumentation zum Thema Zeitungssterben/Nachrichten und Journalismus im Internet zu sehen, „Journalismus von morgen - die virtuelle Feder“. Hier wurden u. a. Leistungen von Chartbeat vorgestellt. Chartbeat zeigt seinen Kunden nicht nur, wie viele Wieartige wann und wo eine Website sehen. Ein Mitarbeiter von Chartbeat erklärte sogar ganz stolz, dass sie den Kunden auch vorschlagen, wo nötig die Headlines zu verbessern, um bessere Clickraten und in der Folge möglicherweise bessere Lesewerte zu erzielen. Ich nehme jetzt mal an, auch das fällt unter „das Neue“ - jedenfalls für Chartbeat und für deren Kunden.

 

Ist das Neue wirklich neu?

 

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Man lese „Tested Advertising Methods“ von John Caples, die letzte als original geltende Auflage ist von 1974, die erste sogar von 1932. Da steht das mit den Headlines schon drin. Wissenschaftlich erarbeitet und getestet. Oder man stelle sich vor, „ernsthafte“ Journalisten sahen das Ende der Welt kommen, als der Bauer Verlag vor über 20 Jahren begann, Titel, Überschriften, Texte und Bilder seiner Zeitschriften mit den Mitteln der Marktforschung zu testen, um sie erfolgreicher zu machen.

 

Was steht hinter dem neuen Neuen?

 

Die junge Generation nimmt voller Begeisterung eine Welt in Besitz. Dazu gehört eine gewisse Enge der Sicht. Man fragt nicht viel. Man steuert auf das Ziel zu. Man erfindet das Rad und freut sich, wie schön rund es ist. Also eine Art Weltfremdheit? Nicht unbedingt. Konzentration und Hingabe fordern einerseits ihren Preis und bringen andererseits Erfolg und Glück, siehe „Flow“. Die Hingabe und das unbedingte Wollen sind die besten Voraussetzungen, um mit den Jungen zusammen zu arbeiten.

     Ich lerne dabei immer wieder, dass die meisten sehr wissbegierig sind. Selbst wenn sie dafür Abstriche machen müssen von der eben noch angenommenen Neuheit von etwas „Neuem“. Vieles von dem Alten, das ich mitbringe, begrüßen sie als neu. Für sie ist es neu. Wenn sie es für sich, im neuen Anwendungsbereich - z. B. bei Artikeln im Web -, als brauchbar erkennen, kommt es zu ihrem anderen Neuen dazu*.

 

So wird aus alt neu.

 

 

*Storytelling ist ursprünglich die Aufgabe der Alten. Es dient - “orale Gesellschaft“ - der Weitergabe von akkumuliertem Wissen, von Kultur. Storytelling ist kein exklusives Instrument des „Content Marketing“, wie einige Worthülsenjongleure glauben machen wollen. Storytelling ist so alt und so neu wie die Menschheit.

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