Die Deutsche Bank wirbt mit ihren Problemen

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

Des Bankers neue Kleider

files/Blogbilder/20140118-Geldautomat.jpgNatürlich zeigt sie ihre Probleme nicht freiwillig, aber deutlich. Ich stelle mir das Szenario, das zu dieser katastrophalen Werbung geführt hat, so vor:

Ackermann-Abgang, Libor-Skandal, New Yorker Händler suspendiert, die Doppelspitze immer wieder in negativ in den Schlagzeilen, schlechte Zahlen im letzten Quartal 2013 u. v. a. m.

 

Der Auftrag an die Werber: „Wir müssen etwas fürs Image tun.“ Die Lösung: „Wir müssen seriöser erscheinen.“ Gesagt, getan.

     Wie haben sie das gemacht? Ganz einfach. Zu einfach. Sie haben zwei Beraterdarstellern Outfits verpasst, die vor 20 Jahren für Seriosität gestanden haben könnten. Das sticht hervor, weil sonst nichts im Bild ist. Dahinter mag der Wunsch stehen, wieder dahin zu kommen, wo alles besser war. Und dabei ist man in die Falle getappt.

     Dazu etwas Anthropologie. Gruppen grenzen sich ab. Das dient auch dazu, Betrüger und Trittbrettfahrer fernzuhalten bzw. erkennen zu können. Zur Abgrenzung größerer Gruppen, wo man nicht jeden persönlich kennt, dient u. a. die Sprache, das kann ein Fachjargon sein. Rituale. Äußere Merkmale sind wichtig: Zeichen wie Flaggen oder Wappen, standesgemäße Kleidung oder Uniformen bzw. Berufskleidung.

     Das sind althergebrachte Merkmale. Ursprünglich waren sie schwer oder gar nicht zu fälschen. Um die Kleidung eines Fürsten oder Ritters zu fälschen, musste man fast selbst einer sein. Um Sprache oder Abzeichen nachzuahmen, musste man denen, die sie benutzten gefährlich nahe sein. Heute ist das anders.

     Merkmale, die eine Gruppe identifizieren bzw. abgrenzen, sind heutzutage oft leicht zu kopieren. Wenn die Gruppe Vorbildcharakter hat, geschieht dies praktisch zwangsläufig. Es gab einmal Zeiten, da hatten Banker im Geschäftsleben Vorbildcharakter. Dann haben sich Unternehmensberater gekleidet wie Banker, um als seriös zu gelten, um leichter ernst genommen zu werden, um leichter Zutritt zu bekommen.

files/Blogbilder/20140118-Aufsteller.jpg     Die Textilindustrie, voran Boss, hat es geschafft, Anzüge, die früher Zeichen von Rang (Geld und Geschmack hatte nicht jeder) waren, so zu kopieren, dass sie in Massen verfügbar, preiswert und für den Laien kaum vom „Original“ zu unterscheiden sind. Was hat das mit der Werbung der Deutschen Bank zu tun?

     Die Personen in deren Werbung „kopieren“ vor allem in ihrer Bekleidung die Art von Seriosität, wie sie vor 20 Jahren für Banker anerkannt war. Böse gesagt: sie sind so angezogen, wie ein recht dummer Betrüger oder Trittbrettfahrer sich anziehen würde. Sie treten als Kopien derer auf, die sie sein sollen. Oder noch böser: die zwei Protagonisten versprühen die Seriosität von Flugbegleitern der Lufthansa, inkl. falschem Lächeln. Meine Ansprechpartner für eine „ausgezeichnete Finanzlösung“.

     Noch eines spricht deutlich dafür, dass es für die Deutsche Bank mit neuer Seriosität nicht weit her ist: die vor der Brust verschränkten Arme. Das Gegenteil von Offenheit, Selbstbewusstsein und Kompetenz. Und von Leistung aus Leidenschaft. Man hat viel zu verstecken. In Mödergruben?

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