Die Marke Uli Hoeneß

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

Eine „Markenanalyse“ von SPON, sueddeutsche.de und faz.net

Marke, besser: Markenbild, ist, was die Menschen von ihr im Kopf haben. Uli Hoeneß ist eine Marke. Was die Menschen über ihn, den Uli Hoeneß vor dem Steuerhinterziehungsfall, im Kopf haben, was dort die Marke Uli Hoeneß bildet, kann man in der „Berichterstattung“ über diesen Fall finden. Denn diese Marke ist es, woran die Journalisten anknüpfen.

Hier was die Journalisten in unseren Köpfen vermuten.

 

„der Dalai Lama vom Tegernsee“

„seine mit 30.000 Euro dotierten Vorträge immer einem guten Zweck spendet“ (SPON)

„Ausgerechnet Uli Hoeneß“

„Ikone des deutschen Fußballs“

„erstklassiger, leidenschaftlicher Fußball-Präsident“

„ein tolles Aushängeschild“ (SPON)

„er polarisiert wie kaum ein anderer“

„einer, der sich von nichts aufhalten lässt“

„er hat zu vielem vieles gesagt. Hoeneß war und ist immer für einen markigen Spruch gut. Die Menschen haben ihn dafür geliebt und gehasst gleichermaßen. Wenn Hoeneß einmal geschwiegen hat, dann war allen klar: Jetzt ist es wirklich ernst“

„Er war als Spieler erfolgreich, er war als Manager erfolgreich, er war als Präsident erfolgreich, als PR-Stratege, als Wortführer“

„Hoeneß hat immer zwei Gesichter gehabt. Mindestens zwei… Da war der Polemiker, der aus Erregung oder aus Kalkül, das war zuweilen schwer festzustellen, die Grenzen zur Beleidigung überschritt. Er hat sich so unversöhnliche Feinde geschaffen“

„Und da war der Patriarch, der sich um jeden Preis vor seine Spieler stellte… der generöse Präsident“

„die personifizierte Bayern-Arroganz, […] Der-da-oben, der auf alle übrigen mit Geringschätzung herabschaut“

„gesellschaftlich-moralische Instanz“

„anpacken kann, was er will: Alles wird zu Geld“ (SPON)

 

„Denkmal“ (sueddeutsche.de)

„Die Affäre Daum hat Uli Hoeneß  nicht viele Sympathien bei den Fans in der Liga gebracht“ (sueddeutsche.de)

„Im öffentlichen Leben fernab des Fußballplatzes war Hoeneß erfolgreich“

„Hoeneß war stets jemand, der sich einmischte: in politische Fragen und auch in sozialer Hinsicht“ (sueddeutsche.de)

„ein Phänomen. Ein reicher, erfolgreicher Mann, von dem selbst seine Feinde sagen, er sei der sozialste Typ, den sie kennen. Ein ehemaliger Fußballer machte Politik ohne Amt“ (sueddeutsche.de)

 

„der wichtigste Mann im deutschen Fußball“

„zu einer großen Figur weit über den Sport hinaus“

„personifizierte „Abteilung Attacke“ der Bayern“

„so etwas wie ein deutscher Liebling“

„Ein Mann, der gleichzeitig giftig und gemütlich sein kann, weltoffen und kleinbürgerlich, visionär und altmodisch; mal mit hochrotem Wutkopf, dann mit gewinnendem Lächeln, mal mit der scharfen, schnarrenden, seltsam hohen Stimme, die durch Abwehrreihen schneidet wie einst der schnelle Stürmer Hoeneß; dann wieder mit sanfter Freundlichkeit.“ (faz.net

 

Ja, was denn nun?

 

Wie lässt sich diese Marke jetzt in wenige/r Worte fassen? Fest steht: Hoeneß war schon vor dem Bekanntwerden seiner Selbstanzeige eine mindestens bipolare Persönlichkeit mit extremen Ausschlägen. Das passt nicht zu der Position vieler Medien und Politiker, die jetzt sehr überrascht tun.

files/Blogbilder/20130423.jpgBesonders scheinheilig ist faz.net. Nach der ausführlichen Beschreibung der Janusköpfigkeit (s. o.) ist ein Urteil wie „Es ist nicht irgendein Steuerfall, es ist einer aus großer Höhe“ völlig absurd. Denn erstens wird kein „Vater Teresa“ (K.H. Rummenigge) eines terroristischen Anschlags überführt. Ebenso wenig steht fest, wie tief Hoeneß wirklich fällt. Bis sie das weiß, kann die Redaktion natürlich nicht warten. Sie muss dem Fall schnell abschließen. Morgen ist schließlich eine andere Sau durchs Dorf zu treiben. 

 

Bild: weiße Wolke, graue Wolke, schwarze Wolke - alle von kurzer Dauer

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