Gossage (1)

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

über Verbraucher

Howard Luck Gossage, 1917 - 1969, war Werbemann, Texter, Agenturinhaber, Entdecker von Marshall McLuhan, Allroundkreativer, Freund von John Steinbeck und vieles mehr. Er wurde auch „Sokrates von San Francisco“ genannt.

files/Blogbilder/20141221_Gossage02.jpgSeine Erkenntnisse und Einsichten erscheinen mir heute gültiger denn je. Wie schön, dass er sie meist provokant - gegen den Werbe- und Marketing-Mainstream seiner Zeit - formuliert hat. Immer hat er sie interessant und unterhaltsam formuliert. Wie hätte Hieronymus Bosch wohl den Klosettpapier-Verbraucher dargestellt?

Heute, wo die Propheten des „Content-Marketing“ atemlos und ergriffen von der Wichtigkeit ihres fragmentarischen  Wissens den Stein der Weisen entdeckt haben, sind Gossages Gedanken wohltuend zeitlos. Sokratisch.

Ich beginne heute eine lose Folge mit Zitaten und anderem von Gossage.

 

„’Verbraucher’ ist ein interessantes Wort, weil es so spezialisiert ist. Wenn ein Werbungtreibender vom Verbraucher spricht, glaubt er Menschen zu meinen, aber er tut’s nicht. Ein Verbraucher ist ein Zweckwesen, dessen Aufgabe es ist, das zu konsumieren, was man gerade verkaufen will. Er wird daher ein Monstrum sein, ein Geschöpf von Hieronymus Bosch - ganz Maul oder Bauch, jedoch in unserem Zeitalter der Getriebeautomatik mit nur einem Fuß. Seine Gestalt wird natürlich sehr verschieden sein, je nachdem ob man Zahnpasta, Büstenhalter oder Klosettpapier zu verkaufen hat.“ (S. 266*)

 

Zum Begriff/Thema „Publikum, Zuhörerschaft“ (im Original: „audience“):

„Bei uns heißt Zuhörerschaft eine Gruppe prospektiver Verbraucher, die von jemand anderem - Zeitschrift, Zeitung, Funk oder Fernsehsender [heute könnte man ergänzen: Webseitenbetreiber; UT] - zusammengeholt wurde, zu irgendeinem anderen Zweck. Wenn die Prospektiven erst gemütlich sitzen, springen wir ein und leiern unser Verkaufsgespräch herunter.

[…]

Die Werbung hofft, das Publikum am Rockzipfel zu packen, ehe es das Heft durchblättert oder das Programm betrachtet oder anhört. Das ist doch naheliegend, oder? Schließlich sieht doch keiner mit Absicht Werbung an?

Doch, man tut’s sehr wohl. […] Ich meine, viel mehr Werbung würde mit Absicht gelesen, wenn sie interessanter wäre. In den wenigen Fällen, wo der Versuch gemacht wurde, hat außerordentlich interessante und unterhaltsame Werbung ein eigenes Publikum gewonnen, und sie hat auch noch gut verkauft.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass kein Mensch Werbung liest. Die Menschen lesen, was sie interessiert. Manchmal ist’s eine Anzeige.“ (S. 58, 59*)

 

files/Blogbilder/20141221_Gossage01.jpg*“Ist die Werbung noch zu retten?“, Hamburg 1987, erweitertes Reprint der Originalausgabe von 1967. Herausgegeben und übersetzt von Barrows Mussey (links).

 

Die obere Abbildung zeigt die Titelseite von „The Book of Gossage“,der „Compilation“ - „Howard Gossage’s as-complete-as-we-could-make-them collected works“.

 

 

 

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