Wahl in Hamburg

von Ulrich Tekniepe (Kommentare: 0)

Diese gehen bestimmt hin

Der Endspurt des Hamburger Bürgerschaftswahlkampfes hat begonnen. Am 15. Februar wählen die Hamburger. Wenn man davon ausgeht, dass die Wahlwerbung in dieser Phase auf den Kern der Markenaussage bzw. des Wahlversprechens der jeweiligen Partei fokussiert, gibt es mal wieder nichts Umwerfendes, das aber in alphabethischer Reihenfolge:

 

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Bündnis 90 Die Grünen

Der Schwung ist raus. Man gibt sich statisch, staatstragend. Das Plakat erinnert mich an „American Gothic“. Das kann nichts Gutes bedeuten, auch wenn die Kandidaten ein Turbogrinsen eingeschaltet haben.

          Hinten Grün, vorne Schwarzblaubraun. Was will uns der Künstler damit sagen? Jedenfalls haben sie das Grüne hinter sich gelassen.

          Aussage: „Mit Grün geht das“. Was geht da noch?

 

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CDU

Grau ist alle Theorie. Theoretisch soll das Plakat wohl zeigen, das Herr Wersich jemand ist, dem man zuhört. Praktisch scheint der Fotograf einen schweigenden Wersich erwischt zu haben. Macht nichts. Auch an dessen Lippen kann man und vor allem die Dame in Bild hängen.

          Stimmt, Hamburg kann mehr.

 

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Die Linke

Es scheint niemanden zu geben, der dafür sein Gesicht hinhält. Oder: niemand ist im Bilde.

           Rot als politische Signalfarbe lässt mich an 1932 denken.

           Aussage: hier ist die Hülle der Inhalt. Oder umgekehrt?

 

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FDP

Die Partei, die jetzt noch ihren Themenfächer (Bildung, Freiheit etc., Inhalte!) ausbreitet. Immer in Zentrum: die Spitzenkandidatin. Worüber mag sie lächeln? Wahrscheinlich wird sie sich sogar totlachen, wenn sie 5 % bekommt. Aber das kriegen wir nicht zu sehen.

           Das Bunte soll jung und frisch sein, Offenheit in alle (?) Richtungen. Aber warum dann die antiquierte und chaotische Typografie? Recycling besserer Zeiten?

           Aussage: „Hamburg gibt die Richtung vor“. Und was macht die FDP? Dreht sie sich mit?

 

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SPD

Der Titelverteidiger ein Dunkelmann: ein Gesicht, ein Ohr, ein Hals, ein Hemd. Keine Statur. Ist das Schwarz das Dunkel unter dem Teppich, unter den die Bilanz dieser Regierung gekehrt wurde? Kommt Scholz gleich ganz unter dem Teppich hervor?

           Schwarz soll wahrscheinlich für Solidität und ein bisschen Vornehmheit (auch: style) stehen. Der Preis dafür ist Distanz.

           Aussage: „weiter vorn“. Wer wissen will wobei, muss schon den Teppich lupfen und Licht ins Dunkel bringen.

 

Für die sogenannte politische Farbenlehre ist neu gemischt worden.

           Grün bleibt grün - aber mit staatstragenden Dunkeltönen. Die Linke tunkt sich in Rot, das ist nicht überraschend. CDU und SPD machen alles anders als bisher, disprutiv!, und kommen in den gedeckten Nichtfarben von Business-Anzügen, je nach Zielgruppe Grau (CDU) und Schwarz (SPD). Das Schwarz der Innerstädtischen soll hipper sein als das Grau des Klempnermeisters beim Termin in der Sparkasse. Also: die SPD gewinnt. Die FDP nimmt jede Stimme, egal woher. Sie ist die bunte Alternative. Noch disruptiver.

           Kriegen die Wahlberechtigten das alles mit?

           Und wenn schon.

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