
Die CDU kommender Jahr(zehnt)e. |
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Wer oder was sind „die Piraten“? So viel sie plötzlich in den Medien vorkommen, so wenig sind sie scheinbar einzuordnen. Hier ein Versuch aus der Perspektive einer längerfristigen Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklung statt aus der üblichen Berufskommentatorenpanik vor einer Landtagswahl.
Ich behaupte, die Grünen sind die Nachfolger der CDU (schwarz), die Piraten (orange) werden die Nachfolger der Grünen sein.
Warum? Beginnen wir mit der Frage nach ihrer Klientel. Man sagt „Netzgemeinde“ und Ähnliches, gemeint könnte aber die Mehrheit der heute bis zu 40-Jährigen sein, die berufstätig - angestellt oder selbständig - sind oder diese Perspektive vor Augen haben. Ich nenne sie die „neuen Professionals“.
Damit haben wir das Gemeinsame mit der Klientel der Grünen in den 80-er und 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts (wie alt die Grünen durch das „vorigen Jahrhunderts“ erscheinen können!) und der CDU der Nach-Weltkriegs-Ära. Auch das waren jeweils die „neuen Professionals“.
Schwarz
Auch die suchten in einer Partei die machtpolitische Vertretung ihrer Interessen. Dabei geht es weniger um Ideale, sondern um Materielles, um Besitzstände. Die Sicherung des Friedens und des im „Wirtschaftswunder“ geschaffenen Wohlstands – Häuschen, Rente, Urlaubsreise, Ausbildung der Kinder -„Ihr sollte es einmal besser haben“ - waren die Motive, die die CDU ansprach. Wahlkampfslogan: "Keine Experimente". Nebenbei: die SPD vertrat damals in ähnlicher Funktion diejenigen, die nicht ganz so viel vom Kuchen abbekommen hatten.
Grün
Die Generation, die Anfang der 70-er und 80-er Jahre jung und neuberufstätig war, trat in ihrer Mehrheit aus kleinbürgerlichen und proletarischen Verhältnissen in ein neuartiges Angestelltendasein ein („Yuppies“). Es gab keine Klassensolidarität mehr, es gab vor allem Wettbewerb. Auch diese Generation will ihr Erreichtes geschützt wissen. Die politischen Auseinandersetzungen gehen z. B. um Stuttgart 21 oder Flughafenausbauten und Nachtflugverbot. Diese (meine) Generation muss einen Teil der Folgen ihres eigenen gesamtwirtschaftlichen Erfolges bändigen. Dazu eignet sich die grüne Öko-Flagge, gepaart mit macht- und klientelpolitischem Realotum. Der CDU ist damit ihr Recht auf eine Restlaufzeit keineswegs abgesprochen.
Was ist das Anliegen der heutigen jungen Berufstätigen? Welche Besitzstände wollen sie gesichert wissen? Wie auch die ersten Anhänger der Grünen in den 80-er Jahren wissen sie noch keine konkrete Antwort auf diese Frage. Noch versteckt sich vieles im Nebulösen, Atmosphärischen.
Orange
Stellen wir uns vor, dass diese Generation in ihrem Berufsleben kaum gerade verlaufende Karrieren erleben wird. Dann wird klar, dass die Besitzstände, die diese Generation in ihrem Arbeitsleben schaffen wird, anderer Art sein werden als alle bisher gekannten. Hier kommt u. a. die Rolle geistigen Eigentums ins Spiel. Mindestens ebenso wichtig ist die Tatsache, dass nationalstaatliche Regierungen nicht mehr viel sichern können. Diese Generation ist nicht nur die erste „Netzgeneration“. Sie ist die erste, die in eine globalisierte Welt tritt. Nur ist auch diese globalisierte Welt noch so jung und gleichzeitig im Umbruch (BRIC-Staaten, Migration), dass sie bisher keine funktionierenden Institutionen ausgebildet hat. Hier werden die Piraten eine Rolle spielen. Müssen. Global.
PS. Es geht nicht um Rechte an „Tatort“-Skripten
Es geht auch nicht um die Renten der jüngsten „neuen Professionals“. Es darum, ob diese Renten überhaupt verdient werden können. Es geht um die Produktionsmittel der Technologie-basierten Wirtschaft der nächsten Zukunft. Es geht um die Frage, wem gehören die kleinsten Teile in kleinsten Applikationen in etwas größeren Applikationen (die Kette könnte man fortsetzen), mit denen in Zukunft Werte geschaffen werden? Wird es Rechteinhaber geben?
Oder wird es sein wie beim Zahnrad?
Ulrich Tekniepe 20.04.2012
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